Auschwitz heute

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Was bedeutet Auschwitz heute? Wie sollte man mit diesem Ort und diesem Thema umgehen? Diesen Fragen ging eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Q3 während ihrer Fahrt nach Auschwitz Ende Januar nach. Die Fahrt wird jedes Jahr am Ende des ersten Halbjahres durchgeführt. Ein Bericht von Lara Döring (Q3):

image1„Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich alle, die ich lieb habe, noch viel stärker festhalten sollte!"(Zitat von Clara Schnittker, Q3)

Was bedeutet Auschwitz, besonders für uns Deutsche heute, und wie geht man mit den dortigen Geschehnissen um?

Diese Fragen und noch viele mehr haben uns (eine Gruppe von 16 Schülerinnen und Schülern aus Q3) während der Woche vom 23.-27.01.17 beschäftigt. Gemeinsam mit den Lehrern Simon Aulepp und Thomas Wittwer besuchten wir den Ort Oświęcim in Polen und die nahegelegenen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz I und Auschwitz-Birkenau. Die Eindrücke waren oftmals zwar sehr unterschiedlich, aber in vielen Punkten empfanden wir dennoch gleich.

Unsere Reise begann mit einer langen Zug- und Busfahrt und einer sehr späten Ankunft in der Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim. Gerade durch die lange Fahrt bekamen wir gleich ein Gefühl dafür, wie weit dieser Ort eigentlich von uns entfernt liegt.

Am ersten vollständigen Tag besuchten wir das Stammlager Auschwitz I, das wir nach einem kurzen Fußweg von ca. einer halben Stunde erreichten. Es lag Schnee an diesem Tag und es war sehr kalt. Gerade dadurch konnten wir ansatzweise vorstellen, wie die damalige Situation im Konzentrationslager war.

Während der Führung sahen wir zum einen das Lager an sich, aber auch viele persönliche Gegenstände (wie beispielsweise Koffer, Schuhe und Brillen) der Häftlinge, die teils in unheimlich großer Menge vorhanden waren. All diese Dinge, besonders die Einzelschicksale hinter den Gegenständen, übten einen starken Einfluss auf uns aus, sodass wir uns teilweise sogar selbst schuldig fühlten für die dort verübten Verbrechen.

image2Besonders prägnant war zu Beginn natürlich das Eingangstor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei", durch das wir hindurch gingen und uns inmitten zahlreichen Baracken aus Stein sowie Stacheldrahtzäunen befanden. Es löste ein beklemmendes Gefühl aus, sodass wir uns selbst wie eingesperrt fühlten.

Am Nachmittag dieses Tages hatten wir eine Stadtführung durch Oświęcim und besuchten das jüdische Museum. Als Abschluss des Tages tauschten wir Gedanken, Gefühle und besonders Erlebtes aus und diskutierten über Fragen, die sich während des Tages ergeben hatten, wie z.B. die Frage nach dem System hinter Auschwitz oder den Motiven der Täter. Zum Abschalten gab es aber ebenfalls die Möglichkeit, am Abend noch nett zusammenzusitzen und Tischtennis oder Kicker zu spielen. Am zweiten Tag stand der Besuch des Lagers Auschwitz-Birkenau mit einer Führung auf dem Programm. Passend zu der Stimmung vor Ort herrschte ein recht dichter Nebel. Der Nebel verhinderte, dass ein Ende des Lagers ersichtlich wurde, wodurch die Lagergröße noch bedrohlicher als ohnehin schon wirkte. Das unvorstellbar große Gelände hinterließ bei uns allen einen sehr intensiven Eindruck.

Am Nachmittag hatten wir dann einen Workshop in der Jugendbegegnungsstätte, der sich mit den Eindrücken der letzten Tage beschäftigte. Zum Abschluss des Tages bekamen wir die Möglichkeit, in der umfangreichen Bibliothek zu lesen und auch originale Akten und Berichte von Überlebenden einzusehen.

Am dritten Tag besuchten wir erneut das Stammlager Auschwitz 1 und eine Kunstausstellung dort. In dieser Ausstellung wurden verschiedenste Bilder, die alle von Häftlingen gezeichnet  wurden, ausgestellt und uns die entsprechenden Geschichten dazu erzählt.

Im Anschluss bestand nochmals die Möglichkeit einer individuellen Besichtigung des Konzentrationslagers und der dortigen Ausstellungen. Auch an diesem Nachmittag hatten wir wieder einen Workshop. Dieses Mal beschäftigten wir uns mit der Biografie Henryk Mandelbaums, der im Sonderkommando (dieses bestand aus Häftlingen, die für die Verbrennung und Beseitigung der Leichen verantwortlich waren) in Auschwitz-Birkenau arbeiten musste, aber glücklicherweise überlebte.

Der Einkauf im nahegelegenen Second-Hand-Shop sorgte danach für Entspannung und Ablenkung von den zum Teil sehr belastenden Eindrücken der letzten Tage. An diesem letzten Abend saßen wir noch lange zusammen, unterhielten uns, spielten Tischtennis oder Tischkicker und hörten Musik.

Während der langen Rückfahrt mit Bahn und Bus zurück nach Kassel nutzten wir nun noch einmal die Gelegenheit unsere Eindrücke zu reflektieren. Nach Verlassen der Gedenkstätten hat uns das Erlebte auch in den darauffolgenden Tagen noch stark beschäftigt. Für uns alle steht fest, dass uns die Fahrt ein stärkeres Bewusstsein für diesen Ort und die Nähe zu unserer eigenen Geschichte vermittelt hat, auch wenn das „Warum“ niemals verständlich werden wird.

Genau deshalb wurde uns auch bewusst, wie wichtig es ist, die Erinnerung an diesen Ort und die Verbrechen von damals am Leben zu erhalten und dazu beizutragen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt!

Text und Fotos: Lara Döring