DIe Jugger sind los - kreativer Sportunterricht

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Die Jugger sind los

Gladiatorenkampf als Jugendkultur:

Ein Unterrichtsprojekt im Sportunterricht der E-Phase

Erklärung der Spielgeräte3-2-1-Jugger… 10 Personen aus 2 Mannschaften mit 8 Pompfen stürzen aufeinander zu und versuchen, den Jugg ins gegnerische Mal zu stopfen. Wer von einer Pompfe getroffen wird, muss zur Strafe mehrere Trommelschläge aussetzen – was ist hier los?

Jugger ist ein Ballspiel mit außergewöhnlichen Regeln, das Einzel- und Teamsport in sich vereint: Elemente aus Fechten und Basketball, Kendo und Rugby. Der Sport geht auf den amerikanischen Endzeitfilm „Jugger – Kampf der Besten“ von 1989 zurück und wurde danach von findigen Studenten zu einer eigenen Sportart modifiziert. Heute umfasst die Szene in Deutschland inzwischen über 100 Turniermannschaften und der Sport verbreitet sich auch international weiter.

Die Regeln: Kurz gesagt muss ein Spieler den Ball („Jugg“) in das Tor („Mal“) der gegnerischen Mannschaft stecken, während seine vier Mitspieler ihn mit ihren stabähnlichen Spielgeräten (den „Pompfen“) vor dem anderen Team beschützen. Sie versuchen, die Gegner mit den Spielgeräten abzuschlagen, und wer auch nur leicht berührt wird, muss sofort für einige Sekunden abknien. Ist diese Zeit verstrichen, darf er aufstehen und wieder am Spiel teilnehmen. Nach einem erfolgreichen Punkt nehmen beide Mannschaften erneut Aufstellung an ihren Grundlinien, und der nächste Spielzug kann beginnen. Die Spielpositionen können unterschieden werden in Kette, Läufer („Kwik“), Kurzpompfe mit Schild, Langpompfe, Q-Tip und Stab.

SpielLernt man hier nicht prügeln und reinschlagen? Im Gegenteil, Jugger fördert die gegenseitige Achtung, Fairness und die Teamkompetenz und wird inzwischen zur Gewalt- und Suchtprävention eingesetzt. So wird das Spiel ohne Schiedsrichter gespielt und ohne das ehrliche Anzeigen von Treffern funktioniert Jugger somit nicht. Die Konfrontation an der Mittellinie mit gewinnwilligen Gegnern fördert das Selbstvertrauen, auch körperlich überlegene Gegner können dabei durch Technik und Flinkheit besiegt werden. Ein anderer wichtiger Aspekt ist das Teamplay und die Koordination mit den Mitspielern – Kommandos befolgen, den Überblick über das Spielfeld haben und Teil einer Mannschaft zu sein, fördert in hohem Maße die Teamkompetenz. Da die Spielgeräte nicht im Laden gekauft werden können, müssen die Spieler normalerweise selbst Hand anlegen und ihre Pompfen gemeinsam mit ihren Teamkameraden selbst bauen. Mannschaften treten mit kreativen Namen, selbst erstellten Trikots, Bannern und Schlachtrufen gegeneinander an – das ist das Gegenteil zur kommerzialisierten Sportwelt und kann für Schulen z.B. gerade bei Projekttagen ein Thema sein. Die Pompfen bestehen im Kern für gewöhnlich aus einem GFK-Stab, der außen mit Isolierung stark gepolstert ist. Verletzungen durch Einwirkung der Spielgeräte sind damit nahezu ausgeschlossen und das Risiko eines Sportunfalls ist damit nicht höher als beim Fußball oder Basketball.

Doppelte KurzpompfeUnsere aktuelle Unterrichtseinheit in der E-Phase begann nach Ostern und ist auf ca. 8 Wochen ausgelegt. Nach der ersten Doppelstunde zur Einführung ging es eigentlich ganz schnell: Regelkunde, etwas üben und los ging’s. Wurde zu Beginn die individuelle Energie von Schülerseite noch ausschließlich in die Bekämpfung des eigenen Gegners gelegt, wurde schnell klar, dass man so nicht gewinnen kann. Von alleine kamen die ersten taktischen Elemente auf: Der Schutz des eigenen Läufers wurde immer wichtiger, der Gesamtüberblick über das Spielgeschehen zunehmend optimiert. Nach und nach kristallisierten sich Stärken und Schwächen der einzelnen Pompfen heraus und dieses Wissen wurde dann gezielt im Spiel verwendet. Inzwischen sind alle Teilnehmer problemlos in der Lage, unterschiedliche Pompfen sicher zu beherrschen wichtige Impulse im Spielgeschehen zu setzen.

Wenn das Wetter mitspielt, werden wir versuchen, den einen oder anderen Termin ins Freie auf ein Fußballfeld oder in die Aue zu verlagern, um einmal ein Spielfeld mit Originalgröße bespielen zu können – auch auf die Gefahr hin, ab Juni von zufälligen Zuschauern als exotischer Teil der Documenta angesehen zu werden…

Text und Fotos: Sven Haferburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurzpompfe mit SchildZweikampf Kette Q Tip und Stab

LangpompfeQ Tip

Stab und Q TipVerloren