Keine Angst vor dem Jahrhundert der Migration – Podiumsdiskussion mit Mario Neumann

Veröffentlicht in Aktuelles

Mario NeumannDas Thema „Flucht und Flüchtlinge“ ist spätestens seit zwei Jahren fortwährend in den Medien zu finden, kontroverse Positionen beherrschen die öffentliche Meinung. Zu einer intensiveren Auseinandersetzung und vielleicht auch dem Wechsel von Blickwinkeln lud der Politik- und Wirtschaft-Leistungskurs der Q4 von Jörg Geßner in das Foyer der Jacob-Grimm-Schule ein. Der Kurs hatte Mario Neumann, der in Frankfurt Soziologie studierte und Doktorand an der Universität Kassel ist, als Referent gewinnen können. Der ehemalige Jacob-Grimm-Schüler stellte im Rahmen eines öffentlichen Vortrags mit anschließender Diskussion seine Forschungsergebnisse und einige Thesen unter der Leitfrage „Was kostet die Welt?“ vor. Nach einer Einleitung durch Lukas Flotho (Q4) stimmte ein kurzer Filmbeitrag aus dem Jahr 2015 die Zuhörer auf das Thema ein, in dem ein Filmteam des „Guardians“ eine Gruppe von Flüchtlingen begleitete, die sich vom Budapester Bahnhof Richtung Österreich und Deutschland aufmachte und damit die „Fluchtwelle“ des Sommers 2015 auslöste. Die dort gezeigten verschiedenen Wahrnehmungen griff der Referent direkt mit seiner Frage: „Sind wir Opfer oder Privilegierte?“ auf. Dass dies immer eine Frage der Perspektive ist, zeigten seine anschließend präsentierten Fakten, die soziale Ungerechtigkeiten weltweit aufzeigten. Dies leitete zu seiner These über, Migration sei nichts anderes als die Suche nach besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen. Das Phänomen der Migration sei, um es mit Wolfgang Schäuble zu sagen, nichts anderes als ein „Rendezvous mit der Realität der Globalisierung“.

Mario Neumann 2Im Folgenden ging Mario Neumann auf verschiedene Fluchtursachen sowie auf die These ein, man müsse Fluchtursachen bekämpfen, um die Fluchtbewegungen nach Europa zu stoppen. Dass dies nicht so einfach ist, machte er durch die sozialen und politischen Dimensionen der Fluchtbewegungen deutlich. So stellte er die Frage in den Raum, ob es ein Recht auf Migration geben sollte und ob nicht eigentlich die Frage der globalen Gerechtigkeit im Zentrum der Debatte stehen sollte. Das 21. Jahrhundert sei das Jahrhundert der Migration, die man auch als politische Bewegung sehen könne. Einfache Antworten gebe es nicht. Dies zeigte auch die anschließende Diskussion, bei der es um historische Dimensionen des Themas Flucht ging, um Waffenexporte aus Deutschland und globale Entwicklungen insgesamt. Mario Neumann beendete den anregenden Austausch mit dem Appell: „Wir müssen keine Angst haben!“, womit er zu Gelassenheit und gleichzeitig Verantwortungsübernahme aufrief.

Foto: Annabelle Weyer