Luther heute - Vortrag mit Bischof Hein

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DSC 0127Was sagt uns Luther heute noch? – Dieser Frage ging Prof. Dr. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, gemeinsam mit rund 400 Schülerinnen und Schülern der Jacob-Grimm-Schule nach. Anlässlich des Reformationsjahres war dieser, wie er betonte, sehr gern der Einladung der Religions- und Ethikfachschaft in die Turnhalle der JGS nachgekommen. In seinem prägnanten und anregenden Vortrag ging er nicht nur auf die positiven Seiten Martin Luthers ein, sondern ließ auch nicht dessen Antijudaismus sowie seine Abwehr der sozialen Bauernbewegung aus und stellte auch historische Fragen, etwa nach der Realität des überlieferten Thesenanschlags sowie nach der Einordnung Luthers in das Mittelalter oder die Frühe Neuzeit. Damit eröffnete er eine multiperspektivische Sicht auf die Person Luther. Die Frage „Was feiern wir eigentlich?“ beantwortete er dann mit mehreren eindringlichen Thesen: Zunächst hob er die Veränderung des Weltbilds durch Luther hervor, somit sei dieser als Vorläufer der Aufklärung zu sehen. Zum ersten Mal sei ein Individuum in die Geschichte getreten, das mit seiner Vernunft argumentierte und seine Meinung trotz der Gefahr von Leib und Leben vertrat. Damit sei Luther zum Ausdruck eines mündigen Christen geworden: „Evangelisches Christ-sein ist so schwierig, weil jeder Einzelne herausgefordert ist, sich permanent eine eigene Meinung zu bilden.“ Des Weiteren habe mit Luther der Beginn einer Freiheitsgeschichte begonnen, der Freiheit vor Angst, menschlichen Zwängen und kirchlicher Bevormundung. Dies sei nicht nur politisch, sondern auch für die Kirchengeschichte wichtig, wie er mit folgenden Worten erklärte: „Der Einzelne und sein Gewissen bilden die Grundlage des Protestantismus.". Auch auf christliche Werte ging Bischof Hein in diesem Zusammenhang ein. So sei die Reformation auch eine geistesgeschichtliche Bewegung, die Freiheit des Einzelnen werde durch die Bindung des Gewissens an Gott im positiven Sinne eingeschränkt, Nächstenliebe dadurch verankert. Die Bedeutung eines säkularen Staates heute und die Freiheit der Religion hob Hein besonders hervor und appellierte dran, miteinander mit Argumenten der Vernunft zu diskutieren. Der Glaube solle ein Faktor der Gestaltung des öffentlichen Lebens sein.

HeinIm anschließenden Podiumsgespräch, das eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern gemeinsam mit Jan-Patrick Witte während der Projektwoche Anfang des Jahres vorbereitet hatte, stellte sich der Bischof der Evangelischen Kirche Kurhesse-Waldeck den Fragen von Khaled Omayrat, Nele Nogeitzig und Bennet Niemann sowie des Publikums. Hier ging es um die Aktualität Luthers, auch im Zusammenhang mit der europäischen Idee, um den Austausch und Gemeinsamkeiten der Weltreligionen und die Bedeutung der Religion in unserer heutigen säkularen Welt. „Religion ist eine öffentliche Angelegenheit,“ diese Aussage stand unter anderem für den anregenden Austausch und viele Impulse, die die JGS-Schülerinnen und Schüler für eine weitere individuelle Auseinandersetzung, nicht nur auf religiöser Ebene, sondern auch im Zusammenhang mit gesellschaftlichen und ethischen Fragen mit nach Hause nehmen konnten.

Fotos: Annabelle Weyer

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