Jazzklänge auf dem Dach der Grimmwelt

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Das Wetter passte: Mehrere hundert Zuhörer hatten an dem schönen Sommerabend den Weg auf das Dach der Grimmwelt gefunden, um dem Konzert von "triosence" um den ehemaligen JGS-Schüler Bernhard Schüler zu lauschen. Als Vorband spielte die neu gegründete Grimms Jazzwerkstatt und bot einen stimmungsvollen Einstieg in den Abend. Lesen Sie hier die Konzertkritik der HNA:

Ein Paradies der Lebensfreude
Wunderbare Location, toller Auftritt: Triosence verzauberten das Publikum auf dem Dach der Grimmwelt
Von Andreas Köthe


3j7HnKzQ1KASSEL. Es durfte einfach nicht regnen. Während des Auftritts von Triosence auf dem Dach der Grimmwelt hätte es keinen Plan B gegeben. Als doch ein paar Tropfen fielen, wurde dem Konzertflügel sicherheitshalber eine schützende Decke übergestülpt.
Dies geschah, während Bandleader Bernhard Schüler als Einleitung für zwei von südamerikanischen Rhythmen beeinflusste Kompositionen lustige Anekdoten eines Brasilien-Urlaubes erzählte. Danach sah sein Arbeitsplatz aus wie eine Hütte in einer Favela. Er bildete fortan den visuellen Kontrapunkt zur klanglichen Ästhetik.
Kassels Kulturdezernentin und Grimmwelt-Chefin Susanne Völker hatte maßgeblichen Anteil an der Realisierung dieses Events. Es bleibt zu hoffen, dass man diesen Veranstaltungsort weiter fokussiert. Die terrassenförmige Architektur, das Panorama und die von Klang-Routinier Rolf Dressler brillant interpretierten Soundmöglichkeiten verwandelten die Location in ein Paradies der Lebensfreude.
Korrespondierend mit dieser Atmosphäre hatte man mit Triosence die beste Wahl getroffen, um diesen Premierenabend stimmungsvoll zu inszenieren. Eine Formation, die mit dem Pianisten, Komponisten und Arrangeur Schüler, dem Schlagzeuger und Perkussionisten Tobias Schulte und Omar Rodrigues Calvo am Kontrabass versiertes Personal an Bord hat und sich stilistisch jener Spielart des Jazz zuordnen lässt, die sich durch hohe Akzeptanz eines vielseitigen Klientels erfreut.
LHLI4wgw1Wer bei John Coltrane den Stecker zieht, lässt bei Triosence die Membrane jubilieren: Klug aufeinander geschichtetes Dur und Moll klingt einfach schön. Was oberflächlich betrachtet harmlos im Kreis galoppiert, entpuppt sich auf den zweiten Blick oft als raffiniertes Konstrukt. Schulte, der sein Debüt als neues Bandmitglied mit Bravour absolvierte, erwies sich als sensibler Mannschaftsspieler und brillanter Solist. Das gleiche galt für Rodrigues, der schon länger bei Triosence die Segel setzt. Schüler bestach mit technischer Präzision und Produktivität.
Manchmal verdichtete sich der Bandsound zu sehr in der mittleren Lage, die Prägnanz der Melodieführung verschwamm, die solistische Strategie wirkte geplant und berechenbar. Doch der komplexe Farbenreichtum der Songs kompensierte diese Eindrücke.
Dass man eine hoch motivierte Band der Jacob-Grimm-Schule, unter der Leitung von Lisa Sommerfeld, als Support eingeladen hatte, war auch Schülers Vergangenheit geschuldet. Er hat sämtliche musikalischen Angebote der Schule durchlaufen. Dass man daraus etwas machen kann, zeigt die Qualität seines Trios. Großer Applaus. Es spielten: die Pianisten Jan Schmelzer, Juri Wiege, Nora Pluquett, Daniel Haubenreißer, Jonathan Dilger (Saxofon), Bassist Tobias Rehor, Drummer Julius Plewe

HNA-Artikel vom 28.08.2018

Fotos: Lukas Joop

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