Demokratie stärken - Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung

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DSC 0749„Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ lautet das Motto der Ausstellung, die vergangenen Mittwoch durch einen Vortrag von Manuel Glittenberg im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung eröffnet wurde. Bei der Begrüßung wies die Aufgabenfeldleiterin II an der Jacob-Grimm-Schule (JGS), Kerstin Otto, darauf hin, dass es ein Anliegen der Schule war, die Ausstellung in die Räumlichkeiten der JGS zu holen, da Rechtsextremismus mittlerweile die Mitte der Gesellschaft betreffe und somit alle angehe. Daher hörte auch die gesamte Schulgemeinschaft in der Sporthalle der JGS dem Politikwissenschaftler und Soziologen zu, der zu Beginn zwei Fragen stellte: Was interessiert mich an dem Thema und worüber würde ich gern etwas erfahren? Nach einem Austausch des Publikums umriss Glittenberg das Problem des Rechtsextremismus einerseits als regionales und bundesweites Problem in Hessen und Deutschland, aber auch als globales Phänomen. Rechte Parteien säßen in allen Parlamenten Europas, gäben sich entweder als „Stimme der besorgten Bürger“ aus oder zeigten sich offen faschistisch. Dabei sei Migration das zentrale politische Thema. Geprägt seien diese Parteien zudem durch ein antipluralistisches Gesellschaftsverständnis sowie das homogene Kollektiv als Bezugspunkt. Sie beanspruchten ein „Wir“, dem sie dichotom die „da oben“ (als Regierungs- und Entscheidungsträger, Presse etc.) entgegensetzten.

DSC 0761In seinem Vortrag, der vom Offenen Kanal sowie dem Freien Radio Kassel aufgezeichnet wurde, ging der Referent der Friedrich-Ebert-Stiftung und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik immer wieder auf Beispiele wie AfD-Plakate bei der letzten Landtagswahl ein und forderte dazu auf, diese genau zu analysieren, um deren rassistische und patriarchalische Propaganda (hier bei der Thematisierung sexualisierter Gewalt) klar zu entlarven.
Auch bezog sich Glittenberg auf die historische Entwicklung des Rechtsextremismus, so sei nach dem Scheitern der NPD 1969 an der Fünf-Prozent-Hürde ein Strategiewechsel eingetreten, der zu einer „Modernisierung“ geführt habe: Es sei eine Verschiebung von biologistischen zu kulturalistischen Argumentationen zu beobachten sowie auf der einen Seite eine Entwicklung zum Terrorismus, auf der anderen Seite zu informellen Zusammenschlüssen. Letztere versuchten, Grenzen des eigenen Vorgehens auszutesten und rechtsradikale Haltungen durch Verschleierung dieser gesellschaftsfähig zu machen, um den Diskurs schleichend nach rechts zu verschieben. Als Problem sieht Glittenberg den Einfluss auf Alltagsthemen am Beispiel von Begriffen wie die „Flüchtlingswelle“, die bestimmte Bilder hervorrufen, oder die Themenwahl in Talkshows, wo Terror, Islam und Migration oft miteinander verbunden würden.
DSC 0835Abschließend ging der Referent auf mögliche Handlungsperspektiven ein. Rechtsextremismus sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, daher müsse man sich auch in staatlichen Strukturen mit diesem auseinandersetzen, hier problematisiert er zum Beispiel die Verhüllungstaktik des Staates im NSU-Prozess. Man übersehe oft, dass eher die Täter im Fokus stehen, weniger die Betroffenen rechtsextremer Taten. In diesem Zusammenhang ruft er dazu auf, eher auf die Opfer zu schauen und was diese benötigen. Weitere demokratische Handlungsmöglichkeiten seien natürlich der Dialog mit klaren Argumenten und andere Deutungsangebote zu machen, sei dies nicht möglich, müsse man aber auch die Diskussion abbrechen können und keinen Raum für rechtsextreme Positionen zulassen. Wichtig sei, Akteure, Betroffene sowie Beteiligte zu betrachten und Betroffene nicht zum Problem zu machen, Taten nicht zu bagatellisieren.
DSC 0800In dem letzten Teil der Veranstaltung konnten die JGS-Schülerinnen und -Schüler Fragen stellen, weitere Verhaltensmöglichkeiten, auch in sozialen Medien, wurden hier unter anderem diskutiert. Gemeinsam wurden demokratische Handlungsoptionen erörtert, denn, so erklärt es auch die Friedrich-Ebert-Stiftung: „Die beste präventive Strategie gegen Rechtsextremismus ist die Stärkung der Demokratie“ und diese muss „fortwährend neu gelernt und erarbeitet werden“. Die Ausstellung, die zu Zivilcourage gegen eine Normalisierung rechter Einstellungen ermuntern möchte, ist noch bis Anfang März im dritten Lichthof während der Schulöffnungszeiten an der Jacob-Grimm-Schule zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Fotos: Lukas Joop, Johannes Wöllenstein