Integratives Schülerzeitungsprojekt

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Eintauchen in eine Parallelwelt - Treffen mit der Kegelbergschule

DSC 0020Donnerstag, 11. April 2019:
Ein wenig gestresst stoße ich die Tür zum Computerraum 206 im 2. Stock der Jacob-Grimm-Schule auf.
Plötzlich schlägt mir eine angenehme Welle von ruhigem Interesse entgegen.
Um die zehn Augenpaare schauen mich neugierig an. Sofort beginne ich eine leichte Anspannung zu verspüren und setze mich schnell in den sich vor mir auftuenden Stuhlkreis. Abgesehen von den üblichen Gesichtern, die man in der Schülerzeitungs-AG antrifft, sitzen mir auch noch Schülerinnen und Schüler der Kegelbergschule aus Frankenberg gegenüber. Natürlich hat mich das alles nicht wirklich überrascht, da der Besuch der Kegelbergschüler schon lange im Voraus geplant war. Trotzdem war ich in einem gewissen Maße überrumpelt.
Da sitzen nun schließlich Menschen vor mir, die mir generell ja erst einmal fremd sind. Abgesehen davon, sind es aber auch Menschen, die von meinem alltäglichen - also gewöhnlichem - "Umgangsklientel" abweichen.

Die Kegelbergschule ist eine Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, auch in Verbindung mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung des Landkreises Waldeck-Frankenberg. Mit anderen Worten heißt das, dass hier Jugendliche mit einer geistigen und/oder körperlichen Behinderung zur Schule gehen.

Nachdem ich angekommen bin, legt sich die anfängliche Aufregung auch ziemlich schnell und wir stellen uns alle erst einmal vor.
Anlass des Treffens ist, dass die Schüler der Kegelbergschule auch eine Schülerzeitung gründen und sich gerne einen Überblick verschaffen wollen, wie das Ganze denn bei uns so funktioniert.
Das hört sich zunächst ziemlich einseitig an, aber natürlich schweifen unsere Unterhaltungen immer weiter auf eine andere Ebene ab. Einerseits besteht ein großes - von beiden Seiten ausgehendes Interesse - darin, mehr über den Schulalltag der jeweils anderen Schule herauszufinden.
Es bleibt also nicht dabei, dass wir unsere Erfahrungen aus unserer Schülerzeitungsarbeit an die Kegelbergschüler weitergeben, sondern die Unterhaltung schlägt nach kurzer Zeit dazu um, dass wir immer mehr über die uns doch so fremde Welt der Kegelbergschüler erfahren wollen.
Was für mich zum Beispiel völlig neu und auch ein wenig komisch ist, sind die Berichte über den an der Kegelbergschule-Schule vorhandenen ,,Snoezelenraum“.
Komisch oder viel mehr lustig an der ganzen Sache ist, mit was für einer Selbstverständlichkeit über diesen doch eher besonderen Raum berichtet wird. Vor allem aber auch, mit was für einer Verblüffung wir angestarrt werden, nachdem wir einräumen müssen, dass wir ja gar keinen ,,Snoezelenraum“ besitzen.
Um das Stirnrunzeln aus den fragenden Gesichtern zu vertreiben, bei einem ,,Snoezelenraum“ handelt es sich um einen Entspannungsraum, in dem sich bei der Kegelbergschule unter anderem ein Projektor - welcher Lavalampensimulationen an die Wände projiziert - und ein Wasserbett befinden.
Der Austausch ist auf jeden Fall eine sehr bereichernde Erfahrung, da ich in Kontakt mit einer „Parallel-Welt“ gekommen bin, von welcher ich gar nicht wirklich wusste, dass sie existiert.
Positiv an der ganzen Sache ist, dass wir ein wenig helfen können, aber kein einseitiger Informationenaustausch stattfindet. Wir nehmen mindestens genauso viel aus dieser Begegnung der besonderen Art mit wie unsere neugewonnen Bekannten der Kegelbergschule.

Johannes Wöllenstein, E2

Foto: Annabelle Weyer

Weitere Informationen zur Kegelbergschule findet man unter: https://www.kegelbergschule.de/. Einen Kurz-Film ("Demokratie erleben") über die Klassenfahrt einer Gruppe der Kegelberschüler nach Berlin findet man hier: https://www.youtube.com/watch?v=26iijqKT70U