JGS-Schüler*innen beim Kasseler Bürgerpreis „Glas der Vernunft"

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Michael RediskeEr steht für Aufklärung, Vernunft, Toleranz sowie die Durchdringung ideologischer Schranken. Bereits zum 30. Mal wurde in diesem Jahr der Kasseler Bürgerpreis „Glas der Vernunft“ für besonderes Engagement verliehen. Jedes Jahr können Redakteur*innen der Schülerzeitung „jacobsblick“ sowie Schüler*innen des Politik und Wirtschaft- sowie Wirtschaftswissenschaften-Leistungskurse an der Preisverleihung teilnehmen. Aber nicht nur das - am Tag zuvor findet jeweils ein Jugendsymposion statt, bei dem Schüler*innen von Kasseler Schulen direkt und exklusiv mit den Preisträger*innen ins Gespräch kommen können.
In diesem Jahr ging der Kasseler Bürgerpreis an die Menschenrechtsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ und damit an Vorstandssprecher Dr. Michael Rediske. Mit diesem konnten auch die acht JGS-Schüler*innen, die einen der 30 Plätze zu dieser Podiumsdiskussion bekommen hatten, zum Thema „Herausforderungen einer freien Presse“ diskutieren und ihm ihre Fragen stellen.
Die anschließende Preis-Verleihung fand dann am 3. Oktober 2021 im Opernhaus des Staatstheaters Kassel statt und wurde dabei neben den Reden auch mit vielen musikalischen Einlagen der Gruppe NAWA begleitet. Bevor es aber zur Verleihung des Preises kam, begrüßte zunächst Bernd Leifeld, Vorstandsvorsitzender des „Glas der Vernunft“, die anwesenden Gäste. In seiner Rede betonte er, dass eine weitere Verleihung dieses Preises notwendig sei, und warf einen Blick auf die Preisträger der letzten Jahre.
IMG 8539Nach der Begrüßung durch den neuen Intendanten des Staatstheaters Florian Lutz folgte die Festrede, die von Prof. Dr. Angelika Nußberger gehalten wurde. Sie stellte vor allem die Meinungs- und Pressefreiheit in den Fokus ihrer Rede. Diese sei besonders für beleidigende, schockierende und störende Meinungen nötig und nicht für solche, die gern gehört werden, gleichzeitig unterstrich Nußberger aber auch die Vereinbarkeit mit dem Recht. Ein weiteres Thema ihrer Rede war die Rolle von „Reporter ohne Grenzen“ hierbei. Recherchieren und Berichten sei kein Selbstzweck. „Resignieren, weil etwas schwierig ist, ist nicht die Philosophie von Reporter ohne Grenzen“, so Nußberger weiter.
Die Laudatio hielt die Auslandskorrespondentin Katrin Eigendorf, die für das ZDF als internationale Reporterin arbeitet. Zuvor war Eigendorf unter anderem als RTL-Korrespondentin in Moskau und auch im ARD-Studio Paris als Redakteurin tätig. In ihrer Rede erzählte sie von dem Kameramann und Journalisten Nesar Fayzi, der für das ZDF in Afghanistan berichtet und bereits mehrmals nah am Geschehen der Taliban war. Sie selbst sorgte sich während der Übernahme der Taliban in Afghanistan sehr um ihren Kollegen und seine Familie. Im August verfassten „Reporter ohne Grenzen“ in Zusammenarbeit mit weiteren Medienhäusern deshalb einen offenen Brief an Kanzlerin Merkel und Außenminister Maas, in dem sie eindringlich auf ein Visa-Programm für Mitarbeiter:innen deutscher Medien drängten. Der Brief habe jedoch laut Eigendorf wenig Erfolg gebracht, weshalb Eigeninitiative ergriffen worden sei. „Die Geschichten der Opfer zu erzählen und für sie einzutreten, ist wichtig“, so Eigendorf. Im Anschluss fand die Übergabe des „Glas der Vernunft“ an Dr. Michael Rediske statt sowie der Vortrag der Verleihungsurkunde. So heißt es in einem Auszug:
IMG 8500 2„(…) Die Kasseler Bürgerinnen und Bürger ehren den Verein Reporter ohne Grenzen dafür, dass er den Opfern ein Gesicht gibt, Täter benennt, Verstöße gegen die Presse- und Informationsfreiheit weltweit dokumentiert und die Öffentlichkeit alarmiert, wenn Journalistinnen und Journalisten in Gefahr sind.“
Dr. Michael Rediske bedankte sich bei der Festrednerin und Laudatorin. Für „Reporter ohne Grenzen“ sei es ein besonderer Preis, „weil er von den Bürger:innen verliehen wird“. Zum Ende der Veranstaltung wurde im Foyer zum Empfang geladen; wer als Nächstes den Kasseler Bürgerpreis erhalten wird, entscheidet sich im Frühjahr 2022.
Die JGS-Schüler*innen und Schülerzeitungsredakteur*innen sind schon sehr gespannt auf das nächste Jahr und gingen mit vielen Eindrücken und weiterführenden Gedanken zur Rolle der Presse in unserer Demokratie und auf der ganzen Welt nach Hause.


Text: Paul Hülsmann (E1)/Annabelle Weyer
Die Fotos (Marlena Friedrich, E1) zeigen rechts oben Dr. Michael Rediske sowie links die Preisverleihung des "Glas der Vernunft" von links nach rechts: ein Vorstandsmitglied der "Gesellschaft der Freunde und Förderer des Kasseler Bürgerpreises ‚Das Glas der Vernunft‘“, Katrin Eigendorf, Dr. Michael Rediske, Angelika Nußberger